Grundsätzlich sind es nur zwei Dinge, die das Reisebüro hat, die dem Internet dagegen fehlen: 1. Die Person hinter dem Schalter kennt sich aus. 2. Die Person hinter dem Schalter denkt mit. Was für einen großen Unterschied diese beiden kleinen Unterschiede ausmachen können, ist für den Reisewilligen auf den ersten Blick vielleicht nicht transparent, kann sich aber in schmerzhaften Lektionen fürs Leben niederschlagen, die man sich gut ersparen kann.
Das Internet hat schon seine Meriten, das soll hier nicht bestritten werden – für einen simplen Flug von Punkt zu Punkt oder eine Hotelbuchung kann man sich dem Medium ohne weiteres anvertrauen. Will man aber die kostbarste Zeit des Jahres sorgfältig und individuell planen, so ist der Weg zum Reiseprofi allemal vorzuziehen. Neben Schulung, steter Weiterbildung und Reiseerfahrung bilden Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen die wichtigsten Säulen, auf denen die Expertise der „Agents“ (wie die Reisebüromitarbeiter neudeutsch heißen) basiert. Die Reisebüros lassen es sich etwas kosten, ihre Mitarbeiter zu Workshops, Kursen, Präsentationen und auf sogenannte Agenttouren zu schicken, in denen fundiertes Fachwissen vermittelt wird. Mit geschultem Blick werden bei diesen Reisen von den Agents all jene Details aufgenommen, die für ihre Klientel den Unterschied zwischen Urlaubshit und –flop ausmachen können, die aber nur selten in den Hotelbeschreibungen im Netz oder im Katalog zu finden sind: Gibt es am Kinderpool genug Rutschen, um auch in der Hochsaison Wasserspaß ohne Drängeln und Quengeln zu gewährleisten? Ist die „einzige Straße“, die das Hotel vom Strand trennt, ein schmales, wenig frequentiertes Asphaltband oder eine vierspurige Autobahn?
Finden sich am Büfett frische lokale Spezialitäten oder matschige Einheitskost? Ist der „Kids’ Club“ ein trister Raum, in dem verlorene Girlanden hängen, oder ein ansprechend gestaltetes Areal mit Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung? Natürlich kann man nicht erwarten, dass jeder Reisebüromitarbeiter jedes Hotel persönlich kennt, aber vielleicht kennt er dafür Kollegen, die schon mal dort waren, und kann sich umhören? Vielleicht hat er auch nicht mehr auf Knopfdruck präsent, wie das Hotel XY in Antalya oder in Hurghada ausgesehen hat, kann aber in seinem Reisetagebuch des Jahres 2008 rasch nachlesen? Vielleicht kann er nicht auswendig die Namen aller Fährreedereien herunterschnurren, die zwischen Italien und Griechenland verkehren, weiß aber, wo er diese samt Fahrplänen findet? Angesichts der Vielfalt der Reiselandschaft kann man es beim Reiseberater als Qualitätszeichen werten, wenn er ein wenig überlegt, in seinen Unterlagen nachschlägt oder beim Kollegen um Rat fragt – man könnte sogar sagen, im Reisebüro sind die Langsamen die Guten. Außer, sie können plausible Gründe dafür vorbringen, warum ihre Antworten wie aus der Pistole geschossen kommen. („Da war ich erst vor zwei Wochen“ wäre ein solcher.)
Blick über den Tellerrand
Zu den Merkmalen, die Menschen von Maschinen unterscheiden, zählt zudem die Fähigkeit, flexibel auf neue Situationen zu reagieren und selbst Vorschläge zu machen. Wenn der Reisewunsch mit keinem Pauschalprodukt zu 100% deckungsgleich ist, setzen wir die Reise vielleicht aus Bausteinen zusammen? Wenn die Reise nach Tokio geht, haben Sie schon daran gedacht, ein Bus- oder Bahnticket für den Flughafentransfer voraus zu beziehen – das Taxi kommt hübsch teuer? Wenn Sie noch diese Woche buchen, gibt’s einen Frühbucherrabatt, der so günstig ist, dass die Omi um das Geld auch noch mitkommt. Haben Sie daran gedacht, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen – bei dem Betrag kann sich das auszahlen! Die Flugreservierung machen wir jetzt, das Ticket stellen wir erst später aus, wenn Sie Ihren Zeitplan definitiv fix machen können. Diese Tour können Sie auch als Privatreise im PKW mit Chauffeur buchen, kommt gar nicht viel teurer. Freuen Sie sich schon mal auf das Frühstücksbüffet, frisches Obst, Omeletts nach Wunsch, ein Traum, sag’ ich Ihnen. Sie sollten demnächst an die nötigen Impfungen denken, warten Sie, hier hab ich die Adresse von einem guten Tropeninstitut.
Sie müssen ohnedies in Hongkong umsteigen, wollen Sie nicht einen Stopover einlegen und sich die Stadt ansehen? Wenn Sie von Ihrem Reisebüro solche Sätze hören, können Sie sicher sein, sich in guten Händen zu befinden. Wenn Sie von Ihrem Computer solche Sätze hören, sind Sie urlaubsreifer, als Sie dachten.
Das Reisebüro:
➘ ist für Sie da, wenn mal was schief geht
➘ hört sich Beschwerden an und findet Lösungen
➘ bekommt Informationen, die Verbrauchern oft nicht zugänglich sind
➘ überblickt die Reiselandschaft und berät Sie objektiv
➘ hat Erfahrung in allen Reisebelangen
➘ versorgt Sie mit neuen Ideen und Geheimtipps
➘ sorgt als Ihr „Urlaubsdesigner“ für maßgeschneiderte Programme
Das Internet:
➘ ist noch nie mit Kindern verreist
➘ hat keinen Sinn für Romantik
➘ sucht nicht von sich aus Alternativen
➘ denkt nicht an nützliche Zusatzleistungen
➘ kümmert sich nicht um Notfälle
➘ ist nicht schwul, nicht ledig und schon gar kein Alleinerzieher
Quelle: reisetipps Nr. 1 ( Maria Hohenau)